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Der ausgefallene Weltuntergang

Ende der letzten Woche hätte ja laut US-Prediger Harold Camping die Entrückung der wahren Gläubigen stattfinden sollen. In einem sogar in deutscher Sprache verfügbaren PDF-Dokument lässt er den Leser ziemlich detailliert am Zahlenwerk seiner Theorie teilhaben. Die Zahlen sollen sich aus einer genauen Analyse der Bibel ergeben haben.
Was ist von so einer Geschichte zu halten?

Ende der letzten Woche hätte ja laut US-Prediger Harold Camping die Entrückung der wahren Gläubigen stattfinden sollen. In einem sogar in deutscher Sprache verfügbaren PDF-Dokument lässt er den Leser ziemlich detailliert am Zahlenwerk seiner Theorie teilhaben. Die Zahlen sollen sich aus einer genauen Analyse der Bibel ergeben haben.

Inzwischen wissen wir, dass die Theorie nicht gestimmt hat. Und netterweise genügte nach dem ausbleibenden Ereignis ein Anruf eines Freundes , um eine jahrelang gereifte Erkenntnis zu widerlegen.

Die neue Theorie bleibt dennoch die alte Theorie: Die Erde soll dennoch am 21. Oktober untergehen – eben ohne das eindrückliche Zeichen der Entrückung.

Breites Echo in den Medien

Die extravaganten Theorien von Herr Camping führten selbst in Deutschlend zu einem breiten Echo in den Medien. Sowohl ARD und ZDF und diverse Printmedien berichteten Ausführlich über das Thema.

Das hatte wenigstens den Nebeneffekt, dass über ein solches Thema überhaupt einmal diskutiert wurde. Denn es ist absolut richtig, dass ein derartiger Ablauf der Weltgeschichte in der Bibel steht.

Interpretation äußerst zweifelhaft

Allerdings sind die biblischen Texte zu diesem Thema extrem schwer zu lesen und zu verstehen. Grund genug für zahlreiche Menschen, zu behaupten, sie wüssten, was sich hinter den Texten verberge.

Beim Lesen oder Hören solcher Theorien darf aber guten Gewissens folgender Bibeltext berücksichtigt werden. Man findet ihn in 1.Thessalonicher 5,19-21:

Den Geist dämpfet nicht, die Weissagung verachtet nicht; prüfet aber alles, und das Gute behaltet.

Beim Prüfen fallen mir sofort folgende Zitate aus Markus 13,32-33.35-36 ein:

Von dem Tage aber und der Stunde weiß niemand, auch die Engel im Himmel nicht, auch der Sohn nicht, sondern allein der Vater. Sehet zu, wachet und betet; denn ihr wisset nicht, wann es Zeit ist.
So wachet nun (denn ihr wisst nicht, wann der Herr des Hauses kommt, ob er kommt am Abend oder zu Mitternacht oder um den Hahnenschrei oder des Morgens), auf dass er nicht schnell komme und finde euch schlafend.

Was folgere ich daraus?

Wenn also selbst Jesus den Tag nicht nennen kann, wie sollte ein Prediger aus den USA den Tag kennen? Diese Tatsache hätte Herr Camping beim detaillierten Bibelstudium eigentlich auffallen müssen.

Ich werde daher auch in Zukunft bei jeglichen Wasserstandsmeldungen zum Weltuntergang ziemlich unbeeindruckt bleiben.
Dennoch schadet es keinesfalls, sein Leben nicht zu sehr an dieser Welt festzubinden. Der von Gott ausgelöste Weltuntergang wird in jedem Fall kommen – wenn auch möglicherweise lange nach meinem Ableben. Und falls er doch während meiner Lebenszeit eintreten sollte, weiss ich ja, was ich bis dahin zu tun habe – wachen und beten!

P.S.:
Bei der Recherche zu diesem Artikel habe ich eine nette Interpretation der Bibel gefunden: The Brick Testament (sozusagen die Bibel in Lego). Dort findet man auch die Darstellung der Offenbarungstexte.

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